Shownotes
Kann man sich Hoffnung erarbeiten?
„Hoffnung fällt uns nicht in den Schoß, sondern Hoffnung entsteht durch sinnvolles Tun.“
Was ist Hoffnung eigentlich? Für Hans Rusinek keine Stimmung, die man hat oder eben nicht hat. Hoffnung ist eine Praxis. Der Optimist sagt, es wird großartig, lehnt euch zurück. Der Pessimist sagt, es wird furchtbar, da kann man nichts machen. Beide machen ihr Publikum passiv. Wer hofft, sagt etwas Drittes: Ich setze mich dafür ein, dass es besser sein könnte. Und der Ort, an dem sich diese Haltung entscheidet, ist für ihn die Arbeit.
Hans Rusinek ist Arbeitsforscher, Wirtschaftsethiker und Pracademic. Er forscht und lehrt an der Universität St. Gallen zur Transformation der Arbeit und ist Gastdozent für AI & Organisational Transformation an der ESMT Berlin. Nach seinem erfolgreichen Buch Work-Survive-Balance erscheint am 30. September sein neues Buch Reclaim Work. Für eine Arbeitswelt, die wieder Hoffnung macht. Drei Jahre Recherche, Interviews quer durch Branchen und Milieus, sechs Felder, in denen der Arbeitswelt die Hoffnung abhandenkommt: Leistung, Karriere, Macht, Denken, Demokratie und Abstand.
Die interessantere Frage ist, was Menschen die Hoffnung raubt.
Über Motivation wird viel geredet. Hans dreht die Blickrichtung um. Niemand beginnt seine Karriere als innerlich Gekündigter, viel zu viele werden im Lauf der Jahre dazu gemacht. Statt Plakate zu drucken, lohnt sich deshalb eine unbequemere Frage im Team: Was genau raubt uns hier eigentlich die Hoffnung, und wie bekommen wir das weg?
Zumutungen sind produktiv, solange sie zur Sprache kommen.
Eine Sinnkrise ist unangenehm und trotzdem der Ausgangspunkt jeder Verbesserung. Gefährlich wird es erst, wenn die Zumutung stumm bleibt und in Entfremdung kippt. Dazu kommt die Beta-Zone, ein Bild von Krogerus und Tschäppeler: In der Alpha-Zone läuft alles, in der Gamma-Zone läuft es so schlecht, dass sich etwas ändern muss. Dazwischen ist es schlecht, aber eben nicht schlecht genug. Genau dort stehen viele Organisationen. Und richten sich ein.
Die KI-Debatte lenkt vom eigentlichen Thema ab.
Wir waren beeindruckt davon, wie schlau die KI ist. Beeindruckender wäre gewesen, wie reflexionsarm das war, womit sie uns beeindruckt hat. Hans kämpft für die MI, die menschliche Intelligenz, und für eine Praktik, die er wieder etablieren will: Gänsehaut. Das Ergriffensein, aus dem heraus wir uns überhaupt erst einen Begriff von etwas machen wollen. Seine Frage an Organisationen ist entsprechend unbequem und sehr präzise.
Worüber wir noch gesprochen haben:
Hans Rusinek denkt laut, in Bildern und quer durch die Disziplinen. Er holt Hannah Arendt, ein Eichhörnchen und einen Zoonosen-Experten an denselben Tisch, ohne dass es je beliebig wird. Sein Gegenentwurf zur Umarmungserzählung und zur Totschlagserzählung ist unsentimental: Arbeit macht nicht immer Spaß, aber sie ist der Ort, an dem wir aus existenziellen Bedrohungen lösbare Probleme machen können. Ein Must-Hear für alle, die spüren, dass in ihrer Organisation etwas fehlt, und noch kein Wort dafür haben.
Interview: Jule Jankowski
Weiterführende Links:
➡️ Hans Rusinek
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Die heutige Folge wird freundlicherweise unterstützt von Karin Lausch.
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