Shownotes
„Ich hab die These, dass Krisen besonders kulturfördernd sind. In welche Richtung auch immer."
Michel Eggebrecht ist Wirtschaftspsychologe, systemischer Organisationsberater, Mediator und Autor („Entschieden!", „Was, wenn sich mein Team gar nicht entwickeln will?"). Nach Jahren als festangestellter Change Manager arbeitet er heute vollselbstständig und begleitet Teams in Anpassungsprozessen: vom Rundfunk über Kliniken und Schulen bis zur Metallindustrie. Sein Blick richtet sich auf einen blinden Fleck: Was geschieht mit den Teams, die nach Stellenabbau, Renteneintritten oder Umbau weitermachen müssen?
Anpassung ist ehrlicher als Veränderung. Wo der Rahmen schon feststeht, ist das Team selbst die Variable. Michel wählt seine Worte bewusst: Wer von Veränderung spricht, weckt Gestaltungserwartungen, die es oft gar nicht mehr gibt. Anpassung benennt, wie viel Spielraum wirklich bleibt.
Die Verbliebenen sind Leidensgenossen und Kontrahenten zugleich. Weniger Leute, gefühlt gleiche Aufgaben: Teams kompensieren mit Überstunden, stillem Qualitätsverzicht und heimlichem Priorisieren. Michel plädiert für den expliziten Blick: Was darf liegen bleiben? Diese Frage entlastet und ist zugleich eine Wertschätzung der Zumutung.
Survivor's Guilt ist real. Die vermeintliche und gefühlte Schuld der Verbliebenen hat konkrete Leistungsfolgen. Wer nicht anerkennen darf, dass jemand fehlt, beweist es mitunter unbewusst durch Leistungsverzicht. Michels Gegenmittel: normalisieren, Resonanz stiften, alle Gefühle erst mal sein lassen.
Worüber wir noch gesprochen haben:
Michel Eggebrecht denkt Teams systemisch und spricht dabei die Sprache der Praxis. Er zeigt, dass gute Begleitung nach dem Abbau kein Luxus ist; sie entscheidet darüber, ob eine Krise Vertrauen zerstört oder Kultur stärkt. Ein Must-Hear für alle, die Teams durch Anpassungsprozesse führen oder selbst zu den Verbliebenen gehören.
Interview: Jule Jankowski
Weiterführende Links
➡️ Michel Eggebrecht ➡️ Michel auf LinkedIn
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