Shownotes
„Leistung ist eine Konstruktion. Und wer das versteht, führt besser."
Dr. Johannes Fertmann ist Psychologe für Organisationen und Partner bei mglw., einer Berliner Beratung für strategische Organisationskultur. Seit über 15 Jahren begleitet er Unternehmen und Teams dabei, menschenfreundliche Strukturen und Praktiken der Zusammenarbeit zu entwickeln. Er hat in Kommunikationspsychologie promoviert und ist überzeugt: Der Begriff „Leistung" ist eine der produktivsten – und meist missverstandenen – Kategorien im Organisationsleben.
Leistung ist keine Tatsache, sondern eine Erzählung. Wer in einem Unternehmen sagt „bei uns zählt nur die Leistung", beschreibt damit keine neutrale Realität, sondern erzählt eine Geschichte. Johannes Fertmann nennt das Leistungsnarrative: die kurzen, oft unausgesprochenen Erzählungen, an denen sich Organisationen orientieren, wenn sie entscheiden, was Erfolg bedeutet. „Publish or perish", „die Schraube muss gerade sein, nicht schnell" – solche Sätze sind keine Trivialitäten, sondern Schlüssel zum Leistungsverständnis einer Kultur.
Warum appellative Leistungsideen scheitern. Eine E-Mail mit dem Betreff „Jetzt müssen wir alle liefern" mag Verzweiflung widerspiegeln, selten aber Wirkung erzeugen. Johannes ist klar: Wer Leistung moralisch auflädt und sie direkt mit individueller Anstrengung gleichsetzt, riskiert, genau das zu verhindern, was er anstrebt. Denn wenn Menschen das Gefühl haben, sie sollen einfach „mehr" wollen, verbarrikadieren sie sich, statt klüger zu werden. Die Alternative ist nicht weniger Ernsthaftigkeit, sondern mehr Genauigkeit: Welche organisationalen Hürden machen Leistung gerade schwer?
Teams als Ort der Übersetzung. Leistungsnarrative entstehen selten oben. Sie manifestieren sich in den Praktiken, Gesprächen und Geschichten auf Teamebene. Johannes beschreibt sein Drei-Kreise-Modell, bestehend aus Strukturen, Praktiken, Bedeutung. Teams sind besonders geeignet, weil sie nah an der Handlung sind und dort Leistung nicht nur bewertet, sondern gemeinsam konstruiert wird. Das Konzept der Performance Literacy – also die Fähigkeit einer Gruppe, Leistung differenziert zu lesen und auszuhandeln – ist für ihn der entscheidende Hebel.
Worüber wir noch gesprochen haben:
Johannes Fertmann ist ein seltener Gesprächspartner: Er hält dem Begriff Leistung stand, ohne ihn zu glorifizieren oder zu fliehen. Er denkt ihn neu – konsequent, klug, mit dem nötigen Sinn für die Realität von Organisationen. Ein Gespräch, das einem nicht lässt, was man vorher über Leistung gedacht hat.
Interview: Jule Jankowski
Weiterführende Links zu Johannes und mglw
➡️ glw ➡️ Dr. Johannes Fertmann auf LinkedIn
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