Shownotes
“Wir sind im Augenblick als Gesellschaft nicht mehr lernfähig, sondern wir schotten uns ab, haben Scheuklappen. So werden wir schwer unseren Wohlstand halten können.“
Was bedeutet Leistung wirklich und wer wird dabei eigentlich gesehen? Wir verlassen die engen Bahnen unternehmerischer Arbeitskultur und wagen einen Blick auf das große Ganze: die Volkswirtschaft, den Arbeitsmarkt und die gesellschaftliche Frage, wie wir Produktivität denken, messen und bewerten. Gemeinsam mit Marcel Fratzscher, Professor für Makroökonomie an der Humboldt-Universität Berlin und Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung.
Rekordarbeitsleitung in Summe
Fratzscher räumt von Beginn an mit einem hartnäckigen Mythos auf: Die Deutschen seien faul. Fakt ist, in Summe wurde hierzulande noch nie mehr gearbeitet als heute. Knapp 46,1 Millionen Menschen sind beschäftigt, das Arbeitsvolumen ist auf Rekordhoch. Und doch besteht ein reales Problem, nur eben ein anderes als oft erzählt: Wir haben nicht zu wenig Arbeit, wir haben zu wenig Menschen. Der Fachkräftemangel ist eine der drängendsten Herausforderungen unserer Zeit, während gleichzeitig ganze Industriezweige sich im Umbruch befinden.
Hybrider Arbeitsmarkt und KI
Dieses Nebeneinander von Stellenabbau und Fachkräftemangel, von Wandel und Verlust, von Bedrohung und Chance das ist der rote Faden dieser Folge. Fratzscher nimmt uns mit in die Mechanik wirtschaftlichen Wandels, der nie neu ist, aber heute in einer bislang ungekannten Geschwindigkeit abläuft. Schuld daran ist vor allem eine Kraft, die er selbst noch vor einem Jahr weniger ernst genommen hätte als die Demografie: künstliche Intelligenz. Sein ernüchterndes Fazit wer heute glaubt, auf der sicheren Liste zu stehen, irrt. Die Frage ist nicht ob, sondern wann KI auch den eigenen Job betrifft.
Lernen und Anpassungsfähigkeit als Quelle für Optimismus
Und doch ist Marcel Fratzscher kein Pessimist. Er ist, nach eigener Aussage, durch und durch Optimist einer, der sich dennoch ehrlich Sorgen macht. Denn sein Vertrauen gilt nicht dem System, sondern dem Menschen und seiner Fähigkeit zur Anpassung, zum Lernen, zur Neuerfindung. Wer KI nicht als Gegner, sondern als Werkzeug begreift, hat Zukunft. Wer sich weigert, Neues zu lernen, gehört zu den Verlierenden.
Leistungsnarrativ: Braucht es eine neue Perspektive?
Was auffällt, ist Fratzschers Schärfe im Umgang mit dem Begriff Leistung. Er stellt die unbequeme Frage, wen wir eigentlich meinen, wenn wir von Leistungsträgern sprechen. Und er gibt eine Antwort, die zum Nachdenken zwingt: Systemrelevante Berufe mehrheitlich von Frauen ausgeübt, schlechter bezahlt, weniger wertgeschätzt tragen diese Gesellschaft. Dennoch bleiben sie in der öffentlichen Debatte um Leistung strukturell unsichtbar. Leistungsgerechtigkeit und Bedarfsgerechtigkeit, so Fratzscher, sind keine Gegensätze, sondern zwei Seiten des gleichen gesellschaftlichen Versprechens.
Es ist ein Salon- Gespräch, das weit über Wirtschaft hinausragt. Es thematisiert, was wir wirklich messen, was wir wirklich schätzen und was das über uns als Gesellschaft aussagt.
Interview: Jule Jankowski
Weiterführende Links zu Prof. Marcel Fratzscher und dem DIW:
➡️ Zur Seite des DIW
➡️ Zu Marcel Fratzschers Buch Nach uns die Zukunft
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